Mathilde Rothenstein (1898–1991)

„… die Herrenberger Frauenarbeitsschule auf beachtliche Höhe gebracht“

Die meisten der Lehrerinnen, die an der Herrenberger Frauenarbeitsschule unterrichteten, waren keine gebürtigen Herrenbergerinnen und viele blieben auch nicht lange in Herrenberg. Die Schule war vielmehr eine Art „Durchgangsstation“ für junge Lehrerinnen auf dem Weg zu einer ständigen Anstellung. Eine derjenigen, die länger in Herrenberg blieben, war Mathilde Rothenstein, die im April 1927 als Aushilfslehrerin nach Herrenberg kam.

Geboren in Niefern bei Pforzheim als zweites von fünf Kindern des Ratschreibers Wilhelm Rothenstein und seiner Frau Karolina, besuchte sie nach dem Abschluss der Höheren Töchterschule von 1917 bis 1920 die Frauenarbeitsschule Pforzheim. Dort bereitete sie sich auf die beiden Prüfungen zur Handarbeitslehrerin vor, die sie 1918 und 1920 in Karlsruhe ablegte. Ihre erste Stelle als Lehrerin trat sie im September 1921 an der Frauenarbeitsschule Esslingen an, wo sie bis zu ihrer Versetzung nach Herrenberg im März 1927 tätig war. Im Oktober 1927 wurde Mathilde Rothenstein zur „Hauptlehrerin“ (Lehrerin mit fester Anstellung) und zugleich auch zur Direktorin der Herrenberger Frauenarbeitsschule ernannt. Dieses Amt hatte sie bis zu ihrer Pensionierung im März 1958 inne.

Tüchtige Lehrerin und gute Schulleiterin

Obwohl die Schule unter ihrer Leitung eine „beachtliche Höhe“ erreichte – nach Aussage des Herrenberger Bürgermeisters wurde die Schule von der Oberschulbehörde Stuttgart „vielfach als Beispiel anderen Schulen gegenüber“ angeführt –, ist Mathilde Rothenstein im öffentlichen Bewusstsein der Stadt kaum präsent. Selbst viele ehemalige Schülerinnen wissen nicht mehr, dass die Erweiterung der Frauenarbeitsschule um die Haushaltungsschule in ihre Amtszeit fiel und dass Mathilde Rothenstein eine treibende Kraft dabei gewesen war.

Ihre Vorgesetzten bezeichneten Mathilde Rothenstein als „tüchtige und gewissenhafte Lehrerin“ . Die ehemaligen Kolleginnen berichten, sie hätte die Schule „mit Güte“ geleitet. Ihre Schülerinnen erinnern sich daran, dass sie großen Wert auf die Qualität der Näharbeiten legte, menschlich aber auf die Wahrung einer gewissen Distanz achtete, dass sie „eine Dame“ gewesen sei.

Nach ihrer Pensionierung blieb Mathilde Rothenstein noch bis 1967 in Herrenberg. Dann zog sie nach Passau, wo sie Verwandte hatte. Der Schule und den ehemaligen Kolleginnen blieb sie bis zu ihrem Tod eng verbunden.

Beitrag von Claudia Nowak für die Broschüre „FrauenWege“ (Herrenberg 2008), Station 8: Frauenarbeitsschule, Bronngasse 13.

Weitere biografische Informationen über Mathilde Rothenstein sind im Buch „Frauen gestalten Herrenberg“  (S. 46−50) enthalten.