Dominikaner-Nonnen aus Herrenberg im Kloster Maria-Reuthin

Gründung des Klosters

An dem Flüsschen Nagold, einer Furt Richtung Schwarzwald haben fromme Frauen sich einst niedergelassen.  Sie begannen die schwierige Geländerodung – daher der Name Reuthin – und bauten ein Kloster für den Rückzug,  für Gottesdienst und als Wohnstatt . Erstmals wurde das Domenikanerinnen-Kloster am 25. Juni 1252 in einer Gütertauschurkunde genannt und durch weitere Schenkungen und Stiftungen von Bürgern,  Hohenberger Grafen und Gräfinnen gestärkt.

Herkunft der Nonnen

Die bürgerlichen Nonnen des Reuthiner Konvents kamen vorzugsweise aus der städtischen Oberschicht mit ihren Patrizier- und Ratsgeschlechtern sowie aus  zu Wohlstand gekommenen Handwerker- und Kaufmannsfamilien. Die meisten stammten aus der näheren Umgebung Reuthins, also auch aus Herrenberg. Untereinander ließen sich oft verwandtschaftliche Verbindungen  nachweisen.

Herrenberger Nonnen

Namen, die im Zusammenhang mit Herrenberg auftauchen, sind Mechthild Seiler ( genannt 1289),  Junte Beckart (1341),  Lukart Lutzin (vor 1383),  Willa von Herrenberg (1393), Agnes Bäder (1411),  zwei Schwestern Bäg oder Beg (nach 1456), Martha Herwig, Tochter des Herrenberger Vogts (ca. 1465) und Anna Sickinger (1559).

Haila die Jüngere und Ältere, Katharina und die Subpriorin Gertrud Vihelin sind sogar auf einer farbigen Miniatur zu bestaunen. Diese stammt aus einem Buchdeckel einer Schrift, die seit 2012 im Württembergischen Landesmuseum Stuttgart in der Schausammlung „Legendäre Meisterwerke“ gezeigt wird. Die Nonnen sind dort zusammen mit ihrem Bruder,  dem Dekan und  Pfarrer Dominus Vihelin, bei einer Messe in St. Marien (heute Stiftskirche) abgebildet.

Mindestens 15 Reuthiner Klosterfrauen lassen sich ab dem 14. Jahrhundert bei den Eber– (und Lupus-) Familien nachweisen, z. B. mehrere Mechthild, Kathrin, Agnes, Irmel.

Geistliches Leben

Über das geistliche Leben ist wenig bekannt. So sind die vom Konvent gewählte Priorin, Subpriorin, Schaffnerin, Kellnerin,  Seelfrau erwähnt. Seelengedenken, Seelenpflege (Jahrzeiten), Gesang, kunstvolle Handarbeiten, Mystik, Marienverehrung, Verehrung der Hl. Elisabeth und Hl. Ursula wurden im Zusammenleben gepflegt.

Originalbeitrag von Helen Schelling für die Website der Frauengeschichtswerkstatt Herrenberg, Oktober 2016.
URL: http://frauengeschichtswerkstatt-herrenberg.de/nonnen-herrenberg-kloster-reuthin/


Verwendete Literatur:

  • Kloster Reuthin – Museum Wildberg. Ein Kurzführer, hrsg. von der Stadt Wildberg,  staatl. Liegenschaftsamt, Karlsruhe/Calw 1996
  • Friedrich Gand: Maria-Reuthin, Dominikanerinnenkloster und Hohenberger Grablege, Göppingen 1973 (1. Teil seiner Dissertation)
  • Friedrich Gand: Das verlorene Seelbuch des Klosters Maria-Reuthin, Sonderdruck der Kreiszeitung Böblinger Bote, Böblingen 1979
  • Roman Janssen: Mittelalter in Herrenberg, Herrenberg 2008 (Herrenberger Historische Schriften, Band 8)