Projekt: Frauen der Handelsfamilie Khönle

Beginn der „Khönle-Dynastie“ in Herrenberg Mitte des 17. Jahrhunderts

Das 17. Jahrhundert war in Herrenberg, wie auch im Herzogtum Württemberg, geprägt von der Katastrophe des 30-Jährigen Kriegs (1618-1648) und seinen Nachwirkungen. Im Jahr 1635 verursachte ein damit in Zusammenhang stehender Stadtbrand die weitgehende Zerstörung der Stadt. Viele Menschen waren bereits zuvor Epidemien zum Opfer gefallen oder hatten die Stadt verlassen, weil sie hier keine Lebensgrundlage mehr fanden.

Die Herrenberger Bäckerstochter Rosina Ruthardt (1626–1703) jedoch gründete in dieser schwierigen Zeit kurz nach Ende des Krieges gemeinsam mit Hans Jakob Khönle (1618–1675) eine Familie. Er war Eisenwarenhändler, dessen Produkte beim Wiederaufbau sehr gefragt waren. Im Laufe der Jahre baute er die Handelsbeziehungen aus und wurde ein erfolgreicher Händler. Die Familie Khönle war ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in Herrenberg, sie prägte die Entwicklung der Stadt entscheidend mit. Über drei Generationen hinweg waren die Khönles erfolgreiche Händler und später auch im Bankwesen tätig.

Beschreibung des Projekts

Die Arbeitsgruppe der Frauengeschichtswerkstatt untersuchte die allgemeine Entwicklung des Handelshauses Khönle und legte dabei einen besonderen Fokus auf die Frauen der Familie. Da ein Handelsmann häufig auf Reisen war, kam den Ehefrauen eine besondere Bedeutung zu. Sie waren sowohl für den gesamten Haushalt mit Kindern und Bediensteten als auch für den Weiterbetrieb des Geschäftes verantwortlich. Es war auch nicht unüblich, dass die Frauen die Buchführung übernahmen. Oftmals hatten sie weitreichendere Rechte als andere Frauen ihrer Zeit, solange es im wirtschaftlichen Interesse der Stadt lag.

Verwendete Quellen

Die Quellenlage zur Familie Khönle ist recht vielfältig. Im Stadtarchiv Herrenberg sind umfangreiche Inventuren und Teilungen erhalten, die ein sehr interessantes Bild einer vermögenden Familie zeichnen. Die Auflistung des Besitzes zeigt die Entwicklung über mehr als 100 Jahre hinweg sehr deutlich auf. Im Stadtarchiv finden sich noch viele weitere Unterlagen über die Besitzstände der Familie.

Sehr interessant ist eine Reihe von Familienporträts der einzelnen Mitglieder der Familie, die zum Teil im Herrenberger Fruchtkasten ausgestellt sind. Hans Jakob Khönle begann im Jahr 1670 seine Familie in Öl verewigen zu lassen und stellte sich damit in die Tradition des Adels. Entsprechend wurde auch ein Familienwappen dargestellt. Als das Porträt von Rosina Khönle (siehe rechte Seitenspalte) entstand, war diese 44 Jahre alt. Sie trägt eine spanische Tracht mit steifem Kragen und schwarzer Spitzenhaube. Diese Tracht war für eine Bäckerstochter sicher kein alltägliches Gewand.

Epitaph des Hans Jakob Khönle von 1675

In der Herrenberger Stiftskirche ist das Epitaph des Hans Jakob Khönle von 1675 mit umfangreicher Inschrift erhalten:

Ich bin zu Herrenberg ein Handelsmann gewesen,
Die himmlisch Herberg stets hab ich mir auserlesen.
Hans Jacob Khönle hieß mein Nam, der war bekannt
Durch meine Handelschaft in manchem fremden Land.

Der Höchste hat mich auch mit süßer Eh‘ begabet.
Rosina, meine Lust, hat oftmals mich erlabet,
der keusche Rosenstock, daraus entsprossen sind
Elf Kinder, deren drey man noch im Leben find’t.

Den Sohn hab ich nach mir Hans Jakob lassen nennen.
Zwei Töchter hat mir auch der Höchste wollen gönnen.
Die ält’st Ottiliam nehm‘ Gott in seine Hut.
Rosina auch, die kleinst, nehm zu an Glück und Gut.

Ich bin dies Jammertal oft mit benetzten Wangen
Die fünfzig sieben Jahr in Unruh durchgegangen,
Bis, was ich lang gesucht, ich endlich fröhlich fand:
Das köstlich Perlen hier im rechten Vaterland.

Der zehnte März hat mir das Leben aufgerieben,
War sechzehnhundertfünf und siebenzig geschrieben,
Da eben Tag und Nacht einander waren gleich.
Nun leb ich Tag und Nacht ohn End in Gottes Reich.

Nun hab ich der Natur die Schuldigkeit erstattet,
Leg ab den Sündenleib, von Krankheit abgemattet,
Der nun von keiner Hitz nicht das Gerichgste fühlt
Und in dem Wolluststrom wird ewig abgekühlt.

Ihr, die ich hinter mir in Traurigkeit verlassen,
Sollt künftig mit Geduld nur eure Seele fassen.
Das Höchst, so euch vermacht im Testament soll sein,
Ist: Liebet brünstiglich einander ohne Schein!

Veröffentlichung der Ergebnisse

Die ersten Ergebnisse unserer Forschungen veröffentlichten wir 2008 in der Broschüre FrauenWege“. Da die Broschüre inzwischen vergriffen ist, können Sie den Text über die Frauen der Familie Khönle  hier nachlesen.